„Singen – Bewegen – Sprechen“ Ein Modellversuch wird Programm
„Auch in der heutigen Zeit ist das Singen und Musizieren ganz bestimmt keine Ausdrucksform der Vergangenheit. Ich bin der Überzeugung, dass Musik und Kunst ideale Werkzeuge sind, um Türen zu öffnen und Verständigung zwischen Menschen zu erzeugen“, waren Worte, die ich am letzten Wochenende bei meiner Festrede zum 150jährigen Jubiläum des Liederkranzes in Oppenweiler sagte. Mein eigener Ansatz passt ganz wunderbar zu der in dieser Woche verkündeten Projekt- Ausschreibung des Landes „Singen-Bewegen-Sprechen“. Dieses neue Förderprogramm ist ein freiwilliges Angebot für eine qualifizierte und durchgehende musikalische Bildung von Kindern zwischen vier und zehn Jahren. Es wird in enger Zusammenarbeit von Musikschulen/Vereinen der Laienmusik mit Kindergärten und Tageseinrichtungen und bis hinein in die vierte Grundschulklasse durchgeführt.
In der kindlichen Entwicklung sind Singen, Bewegen und Sprechen eng miteinander verbunden. Sie bedingen sich positiv und finden ihren ganzheitlichen Ausdruck im kindlichen Verhalten. Kinder erleben beim Hören von Gesang, Sprache und Musik und erst recht beim eigenen Singen, Sprechen und Musizieren elementare Freude, die durch entsprechende Bewegung gesteigert wird. Der emotionale Ausdruckswille, wie er auch beim Singen und Musizieren umgesetzt wird, entspricht einem Grundbedürfnis des Menschen. Der Landesverband der Musikschulen führte zwischen Oktober 2007 und Juli 2009 zusammen mit jeweils 17 Musikschulen und Kindergärten den Modellversuch „Singen – Bewegen – Sprechen unter fachlicher Anleitung im Kindergarten“ durch. Auftraggeber dieses bundesweit einmaligen Modellversuchs war die Stiftung Kinderland Baden-Württemberg.
Der Modellversuch zielte darauf ab, systematisch zu untersuchen, wie aktives Musizieren den Entwicklungsprozess von Kindern bis zur Einschulung positiv beeinflussen kann, und empirisch zu dokumentieren, in welchem beträchtlichem Umfang die Schulfähigkeit der Kinder durch eine qualifizierte Musikerziehung auf Grundlage einer fundierten, maßgeschneiderten musikpädagogischen Konzeption sowie in Kooperation von Kindergarten und Musikschule gefördert und gestärkt werden kann. Schon jüngere Studien und Forschungsprojekte sind übereinstimmend zu der Erkenntnis gelangt, dass bei Kindern die Lernpotenziale wesentlich früher ausgeprägt und formbar sind, als bisher angenommen. Mit Hilfe des Einsatzes altersgemäßer Methoden kann die vorhandene Lernbereitschaft zu einer besseren und intensiveren Vorbereitung auf die Grundschule genutzt werden. Zu diesem Zweck sind bundesweit entsprechende Bildungs- bzw. Orientierungspläne erstellt worden, so auch in Baden-Württemberg.
Man weiß inzwischen, dass aktive musikalische Betätigung diesen Entwicklungsprozess weitaus mehr fördern kann, als man dies aufgrund der Nebenrolle, die die Musik etwa im Fächerkanon an Schulen spielt, vermuten lässt. Dies gilt nicht nur für den Spracherwerb, für die motorischen Fähigkeiten oder für das Sozialverhalten. Altersgerechtes aktives Musizieren hat schon beim Kleinkind und erst Recht beim Vorschulkind einen starken positiven Einfluss auf den emotionalen Bereich, auf die Ausbildung der Denkfähigkeit und nicht zuletzt auch auf die Persönlichkeitsentwicklung insgesamt. Gleichermaßen kann Musik in allen sechs zentralen Bildungsfeldern Körper, Sinne, Sprache, Denken, Gefühl und Mitgefühl sowie Sinn und Wertebewusstsein wirksam werden.
Die Einbindung der Konzeption Singen Bewegen Sprechen in den Orientierungsplan der Kindergärten ergänzt und bereichert die Bildungsangebote der erzieherischen Arbeit im Kindergarten qualitativ erheblich. Der gruppendynamische Prozess und die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder im Hinblick auf den Schuleintritt erfährt eine wertvolle und stabilisierende Grundlage. Die folgende Aussage einer Erzieherin bringt einen weiteren Beleg für den Erfolg des Projektes von außerhalb: „Regelmäßige Besuche der Lehrer der Kooperationsschule bestätigen uns, dass sie beobachten können, wie konzentriert, wie sprachgewandt und ausdrucksvoll, aber auch wie sicher im motorischen Bereich die Kinder auftreten“. Wenn dem so ist, wäre diesen Aussagen im Hinblick auf den positiven Reifeprozess, des Projektes „Singen-Bewegen-Sprechen“ kaum noch etwas hinzuzufügen.
Ihr Wilfried Klenk |